Geschichte

Die Deutsche Studiengruppe für niedrigmaligne Lymphome (German Low-Grade Lymphoma Study Group – GLSG) wurde 1987 mit dem Ziel gegründet, klinische Studien für die bisher sehr vernachlässigte Gruppe der niedrig malignen Lymphome durchzuführen. Die erste dieser Studien wurde 1998 von Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann, damals Münster und Prof. Dr. Richard Hermann, damals Berlin geleitet. Sie hatte die Prüfung von zwei unterschiedlichen zytoreduktiven Therapieregimen (COP versus MCP) und die Untersuchung einer Erhaltungstherapie mit Interferon alpha zum Gegenstand. In diese erste Studie wurden alle niedrig malignen Lymphome nach der Kiel Klassifikation eingeschlossen, d.h. sowohl follikuläre Lymphome (damals zentrozytisch-zentroblastisch genannt) als auch Mantelzell-Lymphome (damals als zentrozytisch bezeichnet). Seit dem wurden drei große prospektiv randomisierte Studiengenerationen zur Primärtherapie „niedrig maligner“ Lymphome durchgeführt. Mit der Differenzierung der unterschiedlichen Subtypen und der exakteren Diagnostik entwickelten sich spezifische Behandlungskonzepte für follikuläre, lymphoplasmozytische und nodale Marginalzonen-Lymphome sowie die Mantelzell-Lymphome. Für die Mantelzell-Lymphome konnte eine europäische Kooperation aufgebaut werden, die zur Gründung der European Mantle Cell Lymphoma Study Group führte. Parallel dazu konnte ein wissenschaftliches Netzwerk aufgebaut werden, an dem Kliniker, Pathologen und Zellbiologen aus sechs europäischen Ländern beteiligt sind. Insgesamt wurden in diesen Therapiestudien ca. 2000 Patienten behandelt und der klinische Verlauf der Erkrankungen nachverfolgt. Die gewonnenen Daten führten zu wesentlichen Fortschritten in der Therapie und den Langzeitergebnissen von Patienten mit follikulären und Mantelzell-Lymphomen. Aktuell nehmen über 400 klinische Institutionen aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten an den Therapiestudien der Studiengruppe teil - davon ca. 20% universitäre Zentren und 80% städtische Krankenhäuser oder niedergelassene Kollegen.

Ein weiterer Meilenstein war die enge Kooperation mit der Lymphomgruppe der Ostdeutschen Studiengruppe Onkologie und Hämatologie (OSHO) unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Herold. Durch den Zusammenschluß dieser beiden großen Studiengruppen konnte die „Schlagkraft“ erheblich verbessert und die „Lymphomszene“ in Deutschland vereinfacht werden.

Als Mitglied des Kompetenznetzes ist die GLSG federführend an der Etablierung systematischer biologischer Studien bei malignen Lymphomen beteiligt (Reisensburg-Konsensus). Dieser Ansatz wurde durch das europäische Forschungsnetz "Molekulare Risikofaktoren in Mantelzell-Lymphomen" und das Verbundprojekt der Krebshilfe „Molekulare Mechanismen bei Malignen Lymphomen“ (MMML) erheblich ausgeweitet. Ziel zukünftiger Studienaktivitäten der GLSG ist nicht nur die Entwicklung und Bewertung weiterer innovativer Therapiestrategien, sondern auch die individualisierte, Risiko-adaptierte Therapieplanung in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten, niedergelassenen Onkologen, städtischen Krankenhäusern und universitären Zentren.
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